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Gästebuch

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 17.01.2015

Die "Kultur"-Radtour im September 2014:
Thüringer Städtekette, Dresden und Sächsische Schweiz

Die Tour war als Kultur-Radtour angekündigt, wozu ich die Tourenleitung übernommen hatte. Die Tour führte in 7 Tagesetappen von Erfurt aus über den Radfernweg "Thüringer Städtekette" durch geschichtsträchtige Städte wie Weimar und Jena. Weiter bis zur Elbe nach Meißen und Dresden sowie in die Sächsische Schweiz. Insgesamt waren es 520 km und 3800 Höhenmeter, also eine relativ sportliche Kulturtour ...


Mein Blog zu dieser Tour:

Tag 1, Anreise mit dem Fernbus von München bis Erfurt

Ursprünglich war die Anreise nach Erfurt mit der Bahn geplant. Abschreckend war jedoch, dass auf dieser Strecke ein zweimaliges Umsteigen erforderlich ist. Mit Fahrrädern und Gepäck bedeutet jedes Umsteigen Stress und Schwerstarbeit. Wir wollten deshalb die Alternative Fernbus ausprobieren. Bei "meinfernbus.de" war die Fahrradmitnahme und für die Hin- und Rückfahrt war jeweils eine Direktverbindung buchbar. Die Entscheidung zur Buchung wurde auf Grund des günstigeren Preises und des besseren Komforts leicht gemacht.

Die Tour begann mit einer 2-stündigen Radtour von Wolfratshausen an der Isar entlang zum Münchner Busbahnhof (ZOB). Diese Radtour war notwendig, weil in der Münchner S-Bahn die Fahrradmitnahme am frühen Morgen nicht zulässig ist.

Unsere Fahrräder wurden auf dem Fahrradträger hinten am Bus montiert. Es konnten so nur maximal drei Fahrräder mitgenommen werden. An einem unserer Fahrräder musste zusätzlich die Lenkstange quer gestellt werden. Gut, wenn man sich mit der Fahrradtechnik auskennt und dazu das notwendige Werkzeug schnell griffbereit hat.

Abfahrt um 9:30. Während der Fahrt war per WLAN ein kostenloser Internet-Zugang verfügbar und es konnten per WLAN auf dem eigenen Laptop etwa zehn verschiedene Filme angesehen werden. Im Bus waren unter den Sitzen 220V Steckdosen verfügbar. Dummerweise hatte ich den Natzadapter meines Netbook nicht im Handgepäck, so dass der Akku irgend wann zu leer war. Der Bus unterbrach die Fahrt in Nürnberg, Erlangen, Bamberg, Coburg und Suhl. Der Bus kam pünktlich in Erfurt an.

Vom Erfurter Bahnhof bis zu unserem Hotel mussten wir etwa 3,5 km mit dem Fahrrädern fahren. Anschließend fuhren wir mit dem Linienbus wieder zurück in das Zentrum von Erfurt. Während eines Stadtrundgangs schauten wir uns unter anderem die bekannten Sehenswürdigkeiten von Erfurt, wie den Dom und die Krämerbrücke an. Der Linienbus der uns am Abend vom Bahnhof bis zum Hotel zurück bringen sollte fuhr uns vor der Nase davon. Wir mussten etwa eine Stunde auf den nächsten (letzten) Bus warten.


Tagesbilanz: 50 km, 250 Hm

Tag 2, Weimar und Jena - Kultur und Bratwurst

Die Abfahrt vom Erfurter Hotel verzögerte sich weil der Schlüssel eines umserer Fahrradschlösser nicht auffindbar war. Nur wenige Minuten vorher war er noch da. Aber dann war er plötzlich nirgendwo zu finden. Magdalenas fand ihn in ihrer Tasche, in die er wohl gerutscht war als wir unsere Fahrräder aus dem Keller des Hotels holten.

Unsere Route führte vom südlichen Erfurter Stadtrand aus zunächst auf kürzestem Weg zum Fernradweg D4 "Thüringer Städtekette", dann etwa 20 km weit in Richtung Weimar. Es war Vormittag als wir in Weimar ankamen. Wir hatten bestes Wetter. Somit stand einer Stadtrundfahrt durch Weimar eigentlich nichts im Wege. Leider waren Schilder aufgestellt, welche das Fahrradfahren in Weimar tagsüber verbieten. Um den Spuren von Schiller, Goethe und Herder zu folgen, blieb uns nicht erspart unsere Fahrräder zu schieben. Im Park an der Ilm kann man unter anderem das Gartenhaus von Goethe besichtigen. Uns war aber nicht klar, was es darin interessantes zu sehen sein sollte. Wir konnten auch nicht erkennen, ob es den Schülern bewusst wurde, welche vor uns das Gartenhaus besichtigten?

Am Theaterplatz setzten wir uns in ein Straßencafè. Ich benötigte unbedingt einen großen Eisbecher. Anschließend stellten wir uns mit unseren Fahrrädern vor dem Goethe-Schiller Denkmal für das Pflichtfoto auf. Es durfte nicht sein, dass wir durch Thüringen radeln ohne die berühmten Thüringer Rostbratwürste probiert zu haben! Aber am nächstbesten Verkaufsstand waren gerade alle fertigen Würste an eine Touristengruppe ausverkauft worden. 10 Minuten würde es dauern. Aber ein paar hundert Meter weiter gab es auf dem Markt für uns eine Thüringer Rostbratwurst. Jetzt konnten wir weiter fahren. Zunächst ein Stück durch den Park an der Ilm und dann weiter auf dem Fernradweg D4 "Thüringer Städtekette" bis nach Jena.

In Jena war die Straße zu unserem Hostel wegen Bauarbeiten gesperrt, die nächst mögliche Straße war eine Einbahnstraße, so dass die Baustelle das kleinere Übel war um zum Hostel zu kommen. Wir hatten hier zwei Zimmer reserviert, die waren jedoch so geräumig, dass wir nur eins davon benötigten. Am späten Nachmittag ein Stadtrundgang durch Jena. Der Weg vom Hostel in das Zentrum führte an Gebäuden der Jenaer Universität vorbei und über den Ernst-Abbe-Platz. Hier stehen Skulpturen, die nicht nur an Schrott erinnern, sondern aus Schrott bestehen. Der alles überragende Jen-Tower ist von überall aus sichtbar. In Jena gab es gerade das Altstadtfest. Das Abendessen in einem historischem Gasthaus entsprach nicht unseren Erwartungen. Auf dem Rückweg zum Hostel entdeckten wir in der Wagnergasse viele Straßenrestaurants - Schade erst jetzt ...


Tagesbilanz: 54 km, 340 Hm, 6 Stunden

Tag 3, von Jena bis Posterstein - Forstwege und Geschichte

Ab Jena folgten wir zunächst nicht dem Fernradweg D4 "Thüringer Städtekette", sondern einer kürzeren Route über verschiedene lokale Radrouten, wie dem "Kirchenradweg" in Richtung Gera. Nach dem Start in Jena kam deswegen zunächst etwas Unsicherheit auf, welches die richtige Route sei. Die Strecke führte auf Nebenstraßen durch eine stark landwirtschaftlich geprägte Gegend. Ab Bürgel dann weiter auf Forstwegen durch ein großes Waldgebiet. Hier war es von Vorteil, dass wir alle mit Mountainbikes unterwegs waren.

Von Eisenberg bis Hartmannsdorf über eine ehemalige Bahnstrecke wieder auf dem Fernradweg D4 bis in das Tal der "Weißen Elster".

In Bad Köstritz direkt an der Köstritzer Schwarzbierbrauerei vorbei, allerdings nahmen wir uns hier keine Zeit für eine Pause, denn die war erst in Gera geplant. In Geras Fußgängerzone "Sorge" fanden wir eine Konditorei um uns mit Kaffee und preiswerten Kuchen zu ver-"sorgen". Während der Weiterfahrt kamen wir über einen Markt (siehe Bild), wo wir uns mit Obst eindeckten.

Auf der weiteren Route durchquert der Fernradweg D4 vor Ronneburg das Gelände der ehemaligen Bundesgartenschau "BUGA 2007", welches auch als "Neue Landschaft Ronneburg" bezeichnet wird. Die Bezeichnung "neue Landschaft" ist die vornehme Umschreibung eines Problemgebietes. Vor der Wende wurde hier unter dem Tarnnamen "Wismut" Atomwaffen-fähiges Uran abgebaut und nach Russland exportiert. Die Kilometer-langen unterirdischen Stollen durchschneiden unzählige Wasseradern, so dass der Grundwasserspiegel für alle Zeiten zerstört ist. Unübersehbar ist die das Tal überspannende "Drachenschwanzbrücke" (siehe Bild).

Vom Hotel in Posterstein aus unternahmen wir eine kurze Wanderung hinauf zur Burg Posterstein, wo jedoch zu dieser Tageszeit bereits alles geschlossen war.


Tagesbilanz: 70 km, 650 Hm, 6:40 Stunden

Tag 4, von Posterstein bis Döbeln - die Marathon Etappe

Es hatte während der Nacht geregnet, doch pünktlich zu unserer Abfahrt kamen ein paar Sonnenstrahlen zum Vorschein. Zunächst von Posterstein aus über einen Hügel um dann bis Mockern kurz vor Altenburg im Tal der Sprotte zu fahren. In Großstöbnitz war der als "Thüringer Städtekette" ausgeschilderte Radweg (wie so oft ...) wegen einer Baustelle gesperrt. Wir mussten einige hundert Meter zurück fahren und uns durch einen engen Bahnübergang quetschen.

Auf dem Markt in Altenburg (siehe Bild) machten wir eine kleine Pause. Zu Beginn der Weiterfahrt verirrten wir uns erst einmal in einer Sackgasse da wir zu früh abgebogen waren.

Auf Nebenstraßen und Feldwegen bis Frohburg, weiter über die Altenburg-Colditz Radroute vorbei an Bad Lausick bis Colditz. Die Route führte dabei 7 km lang schnurgerade durch den Colditzer Forst und das Naturschutzgebiet "Kohlbachtal".

Vor Colditz wurden wir von unzähligen am Wegesrand positionierten Puppen empfangen. Unsere Vorfreude auf eine gemütlche Mittagspause mit Kaffee und Kuchen am Markt von Colditz wurde stark gedämpft. Alle Sitzplätze in den Cafès um den Markt herum waren bereits von Rentnern besetzt. Wir mussten uns deshalb mit einer Bank in der Mitte des Marktes zufrieden geben.

Die Route führte uns dann weiter durch das Tal der Freiberger Mulde bis Döbeln. Auf Grund der bisher bereits gefahrenen 80 km waren wir schon relativ erschöpft und froh, dass vor uns keine Steigungen mehr lagen. Wir wären beinahe an Döbeln vorbei gefahren. Gemäß den letzten Straßen-Wegweisern hätten wir noch etwa 5 km weit fahren müssen. Anhand der Wegweiser war nicht erkennbar, wo wir uns gerade befanden. Deshalb stellten wir Passanten die Frage: "Wie weit ist es bis Döbeln?". Aus den erstaunten Gesichtern kam die Antwort: "Sie sind schon in Döbeln!". Darauf hin hatte ich schnell das Navi eingeschaltet um den kürzesten Weg zum Hotel "Zur weißen Taube" zu finden. Wir waren nur etwa 200 Meter zu weit gefahren und waren innerhalb weniger Minuten am Hotel. Die Wirtin hatte kein Verständnis dafür, dass man so weit mit dem Fahrrad fahren kann. Die Zimmer und das Essen waren sehr gut. Im Frühstücksraum sahen wir das erste Meißner Porzellan, es war jedoch nicht etwa für den Gebrauch bestimmt, sondern diente lediglich als Ausstellungsstücke.


Tagesbilanz: 101 km, 630 Hm, 8:45 Stunden

Tag 5, von Döbeln bis Meißen - Kultur und Nepp

Es hatte wieder einmal in der Nacht geregnet, doch es hatte am Morgen aufgehört. Unsere Weiterfahrt wurde im Zentrum von Döbeln von einem unendlich langen Umzug der Feuerwehr ausgebremst. Hinter einem Musikzug marschierten Feuerwehrleute gefolgt von historischen Feuerwehrspritzen bis zu den modernen Fahrzeugen. Als wir nach Ende dieses Umzugs endlich die Straße überqueren konnten, trafen wir ein paar hundert Meter später erneut auf den Umzug.

Ab Döbeln fuhren wir die ersten zehn Kilometer auf Nebenstraßen und Feldwegen, wobei letztere mit den für die ehemalige DDR typischen Betonplatten gepflastert waren. Eine Hoppelei, bei der einem die Lust auf das Fahrradfahren schnell vergehen kann. In Schleinitz wurden wir von einer größeren Gruppe Radfahrer sehnlichst empfangen. Sie hofften, dass wir ein Kettenschloss dabei haben. Ich habe so etwas stets dabei, aber bevor ich meine Gepäcktaschen auf den Kopf stellte, schaute ich mir zunächst lieber das Problem an. Ein Kettenschloss war nicht notwendig, lediglich ein paar Ratschlägen um die Kette in Selbsthilfe zu reparieren.

Wir fuhren auf ausgeschilderten lokalen Radrouten weiter bis Zehren an der Elbe.

Auf dem Elberadweg bis Meißen. Bei Ankunft in Meißen zunächst eine kleine Rundfahrt durch die Altstadt, bevor wir unser Hotel suchten. Wir waren keine 5 Minuten auf unseren Zimmern als sich ein Gewitter über Meißen austobte - Glück gehabt!

Am Abend starteten wir zu einem Stadtrundgang durch Meißen. Bis zum Dom zu Meißen und der Albrechtsburg waren es etwa 2 ½ km. Um dem Thema "Kultur" unser Tour gerecht zu werden besichtigten wir erst einmal den Dom, danach folgten wir der Ausschilderung zur Meißner Porzellanmanufaktur. Die Schauwerkstätten waren sehr interessant. Hier wurde unter anderem gezeigt wie Porzellan entsteht, wie in Handarbeit aus Porzellan-Rohmasse eine Tasse geformt wird und wie ein Teller bemalt wird. In der Ausstellung waren interessante Porzellanfiguren zu sehen. Als wir die Porzellanmanufaktur verlassen wollten, ging der nächste Platzregen herunter.

So langsam kam bei uns der Hunger auf. Die Suche nach einem Restaurant für das Abendessen endete mit einer totalen Pleite. Wir konnten uns zunächst nicht entscheiden. Im ausgewählten Restaurant direkt am Elbeufer war dann leider kein Tisch mehr frei. Als "Notlösung" wählten wir ein Restaurant nebenan. Verdächtig war, dass wir fast die einzigsten Gäste waren. Es wurde "Live-Musik" geboten. Über Geschmack läßt sich bekanntlich streiten. Ich empfand die Musik als nervig. Der "Höhepunkt" des Abends war jedoch das Essen. Das servierte Fleisch war von minderwertiger Qualität und nach meiner Einschätzung galt es als ungenießbar. Ich war froh, dass wir an diesem Tag nicht sehr weit gefahren waren und somit keinen großen Hunger hatten. Zum Glück hatten wir bereits am Nachmittag auf einem Straßenfest eine Wurst gegessen.


Tagesbilanz: 40,5 km, 370 Hm, etwa 4 Stunden

Tag 6, von Meißen bis Dresden- viel Regen und noch mehr Kultur

Pünktlich zu unserer Abfahrt am Hotel setzte ein Dauerregen ein. Das Radfahren mit Regenklatton war angesagt. Weil unser Tagesziel Dresden keine zwei Stunden Fahrzeit weit entfernt war wollten wir vorher noch das Museum in der Albrechtsburg besichtigen. Dazu mussten wir mit unserem Gepäck und in Regenklamotten auf Kopfsteinpflaster zum Dom hoch rumpeln.

Nach etwa einer Stunde ging es auf dem Elberadweg weiter bis nach Dresden. Es regnete ständig. Bei der Ankunft im Dresdner Hotel waren wir völlig durchnässt. Wir hatten ein schön großes Appartment, so dass wir unsere Radklamotten gut trocknen konnten. Nach dem Umziehen starteten wir zum ersten Stadtrundgang in Dresden. Das erste Ziel nach einem Cafè war der Dresdner Zwinger, weiter über den Theaterplatz zum Terrassenufer und immer weiter, so weit wie die Füße trugen ...


Tagesbilanz: 24 km, 50 Hm, etwa 1:30 Stunden

Tag 7, Radl-Pause in Dresden mit "Großer Stadtrundfahrt"

Das Wetter war nicht besonders ermutigend und schon gar nicht geeignet zum Radfahren. Da passte es, dass wir ohnehin einen Ruhetag eingeplant hatten. Wir entschlossen uns deshalb zu einer "Großen Stadtrundfahrt" mit den Doppeldeckerbussen. An allen von Touristen bevölkerten Ecken stehen die Ticket-Verkaufsstände für Stadtrundfahrten, so dass wir ausnahmweise einmal nicht abwinken mussten. Wir hatten wieder einmal Glück. Wir saßen gerade im Rundfahrtbus, als ein Platzregen herunter kam. Die Rundfahrt startete am "Alten Markt" und führte unter anderem durch die Neustadt, am Großen Garten vorbei, durch Blasewitz, über das Blaue Wunder, dann mit der Standseilbahn hoch in den Ortsteil "Weißer Hirsch" zu einem Sektempfang, Danach mit einem Elbedampfer zurück bis zu den Brühlschen Terrassen. Dabei fuhren wir unter der neu erbauten Waldschlößchenbrücke hindurch. Ihr Bau war wegen der Aberkennung des Weltkulturerbes stark umstritten. Aber die Mehrheit der Dresdner Bürger hatte für den Bau gestimmt.

Die Stadtrundfahrt hatte sich ohne Zweifel gelohnt, besonders lobenswert waren die Kommentare des Stadtführers.

Inzwischen ließen die Wolken ein paar Sonnenstrahlen durch, so dass sich der Aufstieg auf die Frauenkirche lohnte. Aber zuvor bestaunten wir erst einmal das Innere der Frauenkirche (siehe Bild).

Für unserem weiteren Stadtrundgang kauften wir ein Tagesticket der Dresdner Verkehrsbetriebe (6€). Wir fuhren zunächst mit der Straßenbahn bis zum Albertplatz in der Neustadt. Bei einem Rundgang durch die Straßen der Neustadt entdeckten wir u.a. in einem Hinterhof viele interessante Shops.


Tagesbilanz: 0 km mit dem Fahrrad, aber unzählige Kilometer mit Bus, Straßenbahn, Dampfer und zu Fuß.

Tag 8, von Dresden in die Sächsische Schweiz - eine Mountainbike Tour

Das Wetter wurde - passend zu unserer Planung - deutlich besser. Wir konnten nach zwei Tagen unsere Fahrräder wieder aus dem Hotelkeller holen und machten uns auf den Weg in Richtung Elbe-Radweg. In den Karten ist auf jeder Seite der Elbe ein Radweg eingezeichnet. Unsere Ziele, wie das Schloss Pillnitz und unserer nächstes Hotel lagen flussaufwärts auf der linken Seite, so dass wir über das Blaue Wunder fuhren um auf diese Seite zu wechseln. Dies war ein großer Fehler, denn der Weg bis Schloss Pillnitz besteht nur aus Pfützen und Schlammlöchern. Warum er als Fernradweg D10 ausgewiesen ist, das kann man nicht verstehen.

Wir kamen nach etwa 36 km auf dem Elbe-Radweg im Kurort Rathen an. Unsere "Kur" bestand jetzt darin, mit unseren schwer beladenen Fahrrädern zum etwa 130 Meter höher gelegenen Panoramahotel unterhalb des Lilienstein zu klettern. Im Kurort Rathen wartete bereits eine Steigung von etwa 12% auf uns, dann weiter nach Waltersdorf.

Wir kamen recht früh am Hotel an. Obwohl es keine Selbstverständlichkeit war, konnten wir bereits auf unsere Zimmer gehen. Die Dame an der Rezeption zeigte Verständnis und sogar viele Tipps für eine Radtour zum Panoramaweg sowie weiter durch das Kirnitzschtal.

Wir fuhren zunächst wieder hinunter in das Elbetal und dort weiter bis Bad Schandau. Den Panoramaweg fanden wir hinter Altendorf. Es war lediglich ein Trampelpfad für Wanderer zwischen Feldern und nicht wirklich für Fahrräder geeignet. Aber mit unseren Mountainbikes war es kein Problem. Etwa 500 Meter hinter Mittelndorf folgten wir der Wegweisung in Richtung Kirnitzschtal. Der Weg erwies sich im letzten Teil als nicht ganz einfach zu fahrender Trail. Meine Mitradlerinnen wären mir hier fast davon gefahren da ich mit meinen fast profillosen Straßenreifen auf den glitschigen Untergrund kaum Halt fand.

Auf der Kirnitzschtalstraße war erstaunlich wenig Verkehr. Lediglich die Kirnitzschtal-Bahn kam uns entgegen. Ein Erdrutsch, welcher die Straße etwa 1 km oberhalb von Bad Schandau blockierte war der Grund. Zu unserem Glück konnten wir eine Umleitungsstrecke fahren.

Nach dieser 40 km langen "Extra"-Tour führen wir wieder hinauf zum Panoramahotel unterhalb des Lilienstein. Unsere Räder mussten wir leider im Freien abstellen. Meine Mitradlerinnen nutzten ausgiebig die Wellness Einrichtungen des Hotels. Im Restaurant wurden am Abend der Jahreszeit gemäß Kürbis-Spezialitäten serviert.


Tagesbilanz: 83 km, 880 Hm, etwa 9 Stunden

Tag 9, von der Sächsischen Schweiz zurück nach Dresden - Bastei und Schloß Pillnitz

Am Morgen konnten wir von unseren Panoramahotel aus zur Festung Königstein schauen. Das Elbetal lag noch im Nebel. Unser erstes Tagesziel sollte die Bastei sein. Wir konnten die etwa 4 km entfernten Bastei-Felsen bereits nach ein 500 Meter Fahrt über das Elbetal hinweg sehen. Trotzdem dauerte die etwa 14 km lange Fahrt über Waltersdorf und Rathewalde etwa eine Stunde, wobei auf der "Ziegenrückenstraße" etwa 12%-ige Steigungen überwunden werden mussten. An der Bastei herrschte das bekannte Touristengedrängel. Von der Bastei über den schönen Weg durch den Wehlener Grund bis Stadt Wehlen.

Von Stadt Wehlen auf dem Elberadweg bis zum Schloß Pillnitz, wo eine Besichtung auf dem Programm stand. Anschließend nutzten wir die Fähre um auf dem linksseitigen Elberadweg zurück nach Dresden zu fahren. In Dresden angekommen konnten wir wieder das selbe Appartment im Artis Suite Hotel beziehen.

Am späten Nachmittag unternahmen wir ein Einkaufsbummel in der Altmarkt Galerie. Wir kauften dort unter anderem eine Flasche Sächsischen Federweißer. Am Abend feierten wir in der Hotel Suite den Abschluss unserer Radtour. Der Federweißer schmeckte uns gut, aber mein Magen war leider anderer Meinung, so dass ich mich am nächsten Tag mit Tee und leichter Kost zufrieden geben musste.


Tagesbilanz: 51 km, 350 Hm, etwa 3 Stunden

Tag 10, Mit dem Fernbus zurück nach München

Von unserem Hotel bis Dresdner Hauptbahnhof (Bayerische Straße) waren es nur etwa 3 km, so dass wir bis zur geplanten Abfahrt des Fernbus um 11:20 Uhr viel Zeit hatten. Als der Bus bereits verspätet ankam, fertigte der Busfahrer erst etwa 20 andere Fahrgäste ab, bevor er unsere Fahrräder auf dem Fahrradträger des Bus befestigte. Beim Einstieg war zunächst kein freier Sitzplatz erkennbar, so dass wir andere Fahrgäste bitten mussten mit Gepäck belegte Plätze frei zu machen. Der Fernbus war bis auf den letzten Platz besetzt, die meisten Fahrgäste wollten offensichtlich zum Münchner Oktoberfest. Der Fernbus fuhr durch Chemnitz und Zwickau, wobei die Stadtdurchfahrten wegen des ständigen und abruppten Bremsen und Beschleunigen ziemlich nervig waren. An der Raststätte Vogtland wurden alle Fahrgäste für eine halbe Stunde zum Aussteigen gezwungen und der Bus abgesperrt. Dafür gab es bis München keine weiteren Halts. Die Bus-Toilette war bereits überfüllt. Nach der Ankunft im München konnte der Busfahrer zunächst keinen freien Platz im ZOB finden, so dass sich das Aussteigen weiter verzögerte. Damit hatte der Bus insgesamt fast eine Stunde Verspätung.

Es war etwa 19:30 Uhr als ich mich von meinen Mitradlerinnen verabschiedete. Da es bereits dunkel war wollten sie mit der S-Bahn heimfahren. Mir sollte es recht sein, denn so konnte ich mit meinem eMountainbike die 42 km bis Daheim mit der höchst möglichen Geschwindigkeit heimradeln. In der stockfinsteren Nacht erwies sich mein Supernova Scheinwerfer als sehr vorteilhaft. Ich war 21:30 Uhr daheim. Meine Mitradlerinnen waren mit der S-Bahn nur etwa eine ¼ Stunde früher daheim.


Tagesbilanz: 45 km, 250 Hm

Karte und Höhendiagramm mit dem GPS-Track der gesamten Tour

Karte

Mit der Hin- und Rückfahrt zum/vom Münchner Busbahnhof waren es 520 km und 3800 Höhenmeter.

Diagramm

Fazit - 1:0 für den Fernbus

Wir haben während dieser Tour Museen besucht, eine (kleine) Dampferfahrt mitgemacht und sind auf Mountainbike Trails gefahren. Es war ohne Zweifel eine vielseitige und anspruchsvolle Kultur-Radtour.


Die Fahrten mit dem Fernbus haben gemischte Eindrücke hinterlassen. Während die Hinfahrt nach Erfurt durchaus positiv zu bewerten war (Pünktlichkeit und Komfort), stimmte die Rückfahrt eher bedenklich (Verspätung, überfüllte Toilette). Aber im Vergleich zu einer Bahnfahrt (zweimaliges Umsteigen mit Gepäck und Fahrrädern, kein Service) war die Busfahrt ohne Zweifel besser. Aber was bedeutet schon die eine Stunde Verspätung des Fernbus im Vergleich zum Risiko bei einer Bahnfahrt wegen der häufigen Lokführerstreiks auf einem Bahnsteig übernachten zu müssen? Und funktionierende Toiletten sind bei der Bahn ebenfalls die Ausnahme. Siehe meinen Blog über die Rückfahrt mit der Bahn nach der Basel-Nizza Tour 2014.

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